Im Reich der Farben* Qualitative und quantitative Aspekte
Von Hermann Grösser
Seit Jahrtausenden werden Formen und Farben vom Menschen verwendet und haben von jeher einen starken Einfluss auf ihn ausgeübt. Über Bilder versuchte er schon immer, seine Eindrücke festzuhalten, sich seiner Umwelt mitzuteilen oder Ereignisse zu dokumentieren. Nicht umsonst spricht man von einer magischen Wirkung der Farben oder von Farbmagie schlechthin. Während dem Menschen früher Licht und Farben nur in natürlicher Form, d.h. als Sonnenstrahlen und als Substanz aus dem Mineral- und Pflanzenreich zur Verfügung standen, hat sich die Situation seit Mitte des 19. Jahrhunderts grundlegend geändert. Dank Chemie und moderner Technik konnten Licht und Farbe in nahezu alle Bereiche Eingang finden und sind aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Wir sind es gewohnt, von farbigen Reizen angezogen und umworben zu werden oder uns dank farbiger Signale und Kennzeichnungen in den unterschiedlichsten Situationen des Lebens zurechtzufinden.
In der komplementär-alternativen Medizin ist Licht und Farbe fester Bestandteil sowohl in Diagnose als auch Therapie. Farblicht-Therapiegeräte stehen heute in zahlreichen naturheilkundlich orientierten Praxen, und die Anwender berichten über die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten und die oft erstaunlichen Heilerfolge, die sich mit dieser Behandlungsmethode erzielen lassen. Als einer der Pioniere auf dem Gebiet der Farblicht-Therapie ist Dinshah P. Ghadiali (1876-1966) zu nennen, ein 1911 in die USA ausgewanderter Inder, der sich als Begründer des Spectro-Chrome Systems einen Namen machte. Spectro-Chrome war seinerzeit ein aus farbigen Glasfiltern bestehendes zwölfteiliges Farbfiltersystem, das in Verbindung mit einer Lichtquelle eingesetzt wurde und dessen Indikationen in einem umfangreichen, 1933 herausgebrachten Werk, der Spectro-Chrome Metry Encyclopedia, beschrieben wurden. Erwähnt sei in diesem Zusammenhang, dass Dinshah sich an den Werken seiner Vorgänger wie Pancoast und Babbitt orientierte. Pancost war Kabbalist und verknüpfte physikalische Erscheinungen mit metaphysischen Modellen. Für ihn hatte die innere, subjektive Bewertung von Licht einen weit höheren Stellenwert als seine äußere Manifestation, ohne allerdings letztere dabei zu vernachlässigen. Sein Buch “Blue & Red Light or Light and its Rays as Medecine“erschien im Jahre 1877. Kurz darauf, 1878, stellte Edwin D. Babbitt sein 576 Seiten umfassendes Werk “The Principles of Light and Color” vor. Für ihn stellte Sonnenlicht eine „celestial materia medica“ dar, und Farbe wurde als eine Art universelles Heilmittel für zahlreiche Krankheiten gesehen. Er prägte dafür den Begriff „Chromo-Therapeutics“ bzw. Chromopathy“ und beschrieb ausführlich die Anwendung von farbigem Licht für die jeweiligen Indikationsbereiche. Dinshah gebührt jedoch die Ehre, das erste in sich abgeschlossene Farblichtsystem mit detaillierten Indikationen begründet zu haben (jedoch nicht auf physikalischer, sondern auf metaphysischer Ebene). Auf Grund des Vorgehens der mächtigen FDA (Food and Drug Administration) gegen ihn mußte er jedoch seine Aktivitäten in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts stark reduzieren und später ganz einstellen. Die Vorwürfe gegen Dinshah, der sich selbst als Psychologen und Metaphysiker bezeichnete waren nicht ganz unberechtigt, zumal er spekulative Behauptungen aufstellte, die wissenschaftlichen Prüfungen nicht Stand hielten (Kommentare dazu, siehe Hinweise am Schluss).
Erinnert sei in diesem Zusammenhang, dass eine Bewertung seitens der Wissenschaft nur anhand der Form (quantitativ) jedoch nicht anhand des Inhalts (qualitativ) erfolgen kann. Wer also im Rahmen der Wissenschaft Behauptungen aufstellt, ist beweispflichtig, eine Tatsache, die von vielen nur allzu leicht vergessen wird. Dinshash Methode funktionierte natürlich trotzdem, jedoch auf der Ebene des Bewusstseins und nicht auf Grund irgend welcher physikalischer Parameter. Sein Sohn Darius führte später das Werk seines Vaters fort und begründete die Dinshah Health Society. Er fasste die Erfahrungen mit dem Spectro Chrome System zusammen und veröffentlichte sie in dem Buch “Let there be Light", das auch in deutscher Sprache unter dem Titel “Es werde Licht” erhältlich ist. Neben der geschichtlichen Entwicklung von Spectro Chrome sind darin auch über 300 Behandlungspläne mit detaillierten Angaben aufgeführt, die auch heute noch vielen Anwendern als Orientierungshilfe dienen.
Mit der Ausbreitung der östlichen Weisheitslehren und vor allem durch die Übernahme der Lehre von den Chakras in das westliche Gedankengut rückte das Interesse an dem Medium Farbe wieder stark in den Vordergrund. Chakras sind nach hinduistischer sowie auch buddhistischer Lehre feinstoffliche Energiezentren im Astralkörper des Menschen mit Entsprechungen auf körperlicher Ebene. Sie stehen in Beziehung zu drüsigen Organen sowie zum vegetativen Nervensystem und zu Akupunkturmeridianen. Es gibt sieben Hauptchakras, denen jeweils eine Farbe zugeordnet ist, beginnend in aufsteigender Folge mit Rot über Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigo bis hin zu Violett. Die Reihenfolge entspricht den Farben des Regenbogens von außen nach innen. Es ist naheliegend, Farbe in diesem Bereich zur Harmonisierung einzusetzen, es ist schlicht und einfach das Mittel der Wahl. Im Westen wurden die philosophischen Konzepte des Ostens nach und nach mit neuen Ideen verbunden und fanden als eigenständige Verfahren Eingang in die verschiedenen Bereiche der Naturheilkunde. Die modernen Möglichkeiten, Licht in jeder gewünschten Nuance künstlich zu erzeugen, farbige Folien herzustellen sowie farbige Vorlagen in unendlichen Variationen zu erhalten, begünstigten diese Entwicklung. So ist es auch nicht verwunderlich, dass gerade in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts, ausgelöst durch die New-Age Bewegung, zahlreiche Farbsysteme (meistens Ost/West-Konzepte in ihrem Ansatz) auf dem Markt erschienen. Die Verbindung fernöstlicher Ansätze mit den Errungenschaften des Westens ermöglichten für den gesamten Bereich der Naturheilkunde gänzlich neue Perspektiven.
Da die Geräte und Konzepte für diese Therapieform jedoch sehr unterschiedlich aufgebaut sind, erhebt sich zwangsläufig die Frage nach den Wirkungskomponenten bzw. nach der Wirksamkeit an sich, und auf welches Phänomen die z. T. erstaunlichen Heilerfolge dieser universell einsetzbaren Behandlungsmethode zurückzuführen sind. Bevor wir die Frage der Wirksamkeit im Detail erörtern, sollten wir uns zum besseren Verständnis der Thematik jedoch etwas näher mit den verwandten Begriffen wirken und wirklich sowie der Wirklichkeit an sich auseinander setzen und sie an ein paar Beispielen erläutern. Kaum ein anderes Gebiet eignet sich besser, um die unterschiedlichen Aspekte der Wirklichkeit so klar und deutlich zu demonstrieren als gerade das der Farbe.
Wirklichkeit - eine Frage des Bewusstseins
Wirken im eigentlichen Sinne bezieht sich auf etwas hervorbringen, etwas schaffen, auf etwas Einfluss haben oder etwas erreichen und dies sowohl im konkreten als auch im abstrakten Sinne. Wirklich dagegen auf echt, tatsächlich, auf etwas Vorhandenes oder Bestehendes. Die Wirklichkeit bezeichnet das, was ist. Sie kann entweder materiell, d. h. konkret oder immateriell, d. h. abstrakt aufgefasst werden. Diese etwas vereinfachte Definition weist bereits auf die polaren Aspekte des menschlichen Bewusstseins hin, nämlich auf die geistige Innenwelt, die jeder Person eigen ist und die materielle Außenwelt, die uns ständig und überall umgibt. Beide Komponenten können zwar isoliert betrachtet werden, in dem wir die Aufmerksamkeit bewusst nach innen oder außen lenken, jedoch sind sie durch die Funktionsweise unseres Organismus untrennbar miteinander verbunden.
Die Polarität der menschlichen Wirklichkeit
Der eine Aspekt der Wirklichkeit, den wir als den quantitativen bezeichnen können, setzt sich aus dem von unseren äußeren Sinnen übermittelten Bild zusammen, ist somit materieller Natur und im wissenschaftlichen Sinne wäg- und messbar. Der andere, den wir als geistigen Aspekt bezeichnen wollen, ist qualitativer Natur und hängt damit in erster Linie von der Bewertung und der Bedeutung ab, die von einer bestimmten Person der jeweiligen Sache, dem Ereignis etc. zugeschrieben werden. Mit anderen Worten: Es muss zwischen Inhalt und Form unterschieden werden. Beide Aspekte sind jedoch gleichzeitig im Bewusstsein, so dass wir uns einerseits im konkreten, äußeren Bereich, der sich genau und präzise darlegen lässt, d. h. objektiv vorhanden ist und andererseits im abstrakten, inneren Bereich, der materiell gelöst und damit auch keinen unmittelbaren Bezug mehr zur äußeren Wirklichkeit hat, befinden. Die unterschiedlichen Funktionen unserer beiden Gehirnhälften sowie die äußeren und inneren Sinne zur Erfassung der Wirklichkeit spiegeln diese Situation auch ganz deutlich wider.
Analog gesehen verhält sich das Phänomen Farbe selbst ganz ähnlich und offenbart sich dem Menschen ebenfalls in zwei Aspekten, nämlich als Spektralfarbe, d. h. Licht, und als Körperfarbe in Form einer Substanz. Beide Aspekte sind auch hier aneinander gekoppelt, denn erst durch Licht kann Farbe überhaupt von uns Menschen wahrgenommen werden. Wird farbiges Licht gemischt, so erscheint es dem menschlichen Auge als weiß, wird farbige Materie entsprechend gemischt, so erscheint sie als schwarz. Je nach Fall spricht man von einer additiven oder subtraktiven Farbmischung. Auf Grund der vorherrschenden Gesetzmäßigkeiten von Absorption und Reflexion bleibt dabei die Komplementärfarbe unserer sinnlichen Wahrnehmung normalerweise verborgen. Wird das gesamte Licht absorbiert, so erscheint uns die Materie als schwarz, wird alles reflektiert, so erscheint sie uns als weiß. Das Phänomen Farbe an sich weist damit schon rein symbolisch auf die polaren Aspekte der menschlichen Wirklichkeit hin, d. h. auf die sichtbaren wie unsichtbaren Ebenen unseres Lebens. In diesem Zusammenhang erscheint auch die Problematik der unterschiedlichen Ansätze in der Farbenlehre von Newton (1662 - 1727) und Goethe (1749 - 1832) in einem anderen Licht. Während Newton die Strahlungen als Quantitäten, also die messbaren Eigenschaften bewertet, sieht Goethe die Farben von ihrem qualitativen Aspekt aus (Sinneseindrücke, Empfindungen etc.) und nimmt so, wie er selbst bemerkte, einen komplementären Standpunkt ein. Die Antwort auf die Frage nach der Richtigkeit der einen oder anderen Aussage hängt somit vom jeweiligen Standpunkt des Einzelnen und nicht von der Farbe selbst ab.
Um die Unterschiede zwischen materiellen und geistigen Aspekten der Wirklichkeit einmal mehr zu verdeutlichen, soll hier die Farbe Rot als praktisches Beispiel dienen. Sie ist in natürlicher wie synthetischer Form in zahlreichen Variationen vorhanden und gehört zu den wichtigsten Nuancen im täglichen Leben. Seit jeher wurde ihr in allen Kulturen, wenn auch mit oft unterschiedlicher Bedeutung, eine wichtige symbolische Rolle zuteil. Im wissenschaftlichen Sinne lassen sich sämtliche Varianten dieser Farbe durch entsprechende Daten in ihren physikochemischen Eigenschaften eindeutig definieren und somit für jeden speziellen Einsatzbereich oder Verwendungszweck objektiv beurteilen. Wie die jeweilige Farbe jedoch empfunden oder welcher symbolische Charakter ihr zugesprochen wird, hängt u. a. von der augenblicklichen Stimmungslage, dem persönlichen Geschmack bzw. dem Weltbild und dem Kulturkreis des Betrachters ab. Hieraus lässt sich folgender Merksatz ableiten:
Die Beurteilung der "qualitativen Aspekte" einer Farbe wie auch jedweder anderen Materie ist somit immer rein subjektiver Natur und damit nicht mehr objektiv oder nach wissenschaftlichen Kriterien beweisbar.
Die subjektiven Kriterien treten vor allem im interkulturellen Bereich in markanter Weise zu Tage. Am Beispiel des Weines ist dies besonders gut zu erkennen. So kann bei gleichem Kenntnisstand der Bewerter durchaus Einigkeit über seine anregende Wirkung sowie über seine materielle Beschaffenheit, sei es nun über Farbe und Sorte wie z. B. Burgunder oder Bordeaux, über den Alkoholgrad oder andere, von dem jeweiligen Anbaugebiet abstammende Eigenschaften einer Sorte bestehen. Bei der Qualitätsbeurteilung wird es zwar schon etwas problematischer, doch stehen Welten zwischen den Ansichten über die Zuträglichkeit und das Heil für den Organismus, sobald persönliche Ansichten oder religiöse Aspekte in den Vordergrund treten. Was z. B. von dem einen, von christlicher Weltanschauung geprägten, als Genussmittel u. U. hoch geschätzt wird, ist für den anderen, im mohammedanischen Glauben verhafteten Menschen, Gift und Sünde und sein Konsum streng verboten.
Der qualitative Eindruck (persönliche Wertung, Zuschreibung) ist, wie wir bereits gesehen haben, immer subjektiver Natur und damit u. a. von der jeweiligen Stimmungslage, dem Geschmack, dem Glaubensbild einer einzelnen Person oder in unserem Beispiel von den Glaubenssätzen einer ganzen Religionsgemeinschaft abhängig. Der Wein wird, obwohl er an sich völlig neutral ist, plötzlich zum Politikum und damit bar jeder Objektivität beurteilt. Die Wahrheit ist hier nicht mehr von einer konkreten Sache, sondern lediglich von den im Bewusstsein verankerten subjektiven Kriterien eines einzelnen bzw. einer Gemeinschaft abhängig. Der Bewerter selbst ist Teil der Bewertung! Ein Vorgang, der automatisch und meistens völlig unbewusst abläuft. Jeder Mensch kann deshalb auch nur die Wirklichkeit nach seinem eigenen selbstgeschaffenen Rahmen interpretieren, der sich aus seinen Erlebnissen, Wahrnehmungen und Empfindungen zusammensetzt. Diese Erkenntnisse sind wichtig und zum besseren Verständnis der Bewertungskriterien anderer Menschen und vor allem anderer Kulturkreise unentbehrlich.
Physikalische und metaphysische Aspekte
An dieser Stelle wollen wir nun die eingangs gestellte Frage nach der wirksamen Komponente in der Farb-Therapie erneut aufgreifen. Kommt die Polarität der menschlichen Wirklichkeit auch in diesem Bereich zum Tragen und wie wirkt sie sich auf die angeblich therapeutischen Eigenschaften einer bestimmten Farbe aus? Hat die Farbe Rot wirklich die ihr allgemein zugeschriebenen aktivierenden Eigenschaften, die sich (unabhängig vom Kenntnisstand einer Person) sowohl durchblutungsfördernd als auch auf die Steigerung der Pulsfrequenz auswirken, oder sind ggf. doch nur die im Bewusstsein verankerten Elemente die tragende Säule bei dieser Therapieform? Die Antwort lautet sowohl als auch, denn die Wirkung steht aufgrund der unterschiedlichen Aspekte der Wirklichkeit nicht nur in direktem Zusammenhang mit der konkreten Beschaffenheit des Mediums Farbe an sich, sondern hängt vor allem auch von den qualitativen Eigenschaften ab, die dem jeweiligen Mittel von Seiten der Therapeuten zugeschrieben werden. Wird Farbe in Form von Energie (Licht) oder Materie (Substanz) eingesetzt, sind beide Komponenten, (materielle wie geistige) zu berücksichtigen, wobei je nach Wellenlänge und Intensität der Strahlung bzw. Konzentration der Substanz der eine oder andere Aspekt als Wirkungskomponente in den Vordergrund rückt. Eine Tatsache, die ja auch aus der Homöopathie bekannt ist, zumindest denjenigen, die sich ernsthaft mit dem Wirkungsprinzip dieser Methode auseinander gesetzt haben. Wird das Medium Farbe à priori rein “symbolisch“ eingesetzt, d. h. als "äußerer Repräsentant" eines geistigen Prinzips, so kommen nur mehr die subjektiven, d. h. die ihr zugedachten Eigenschaften (inneres Bild) zum Tragen. Mit anderen Worten:
Je schwächer die pharmakologischen Wirkungskomponenten der eingesetzten Materie, desto stärker können sich die ihr zugedachten Eigenschaften (Symbolkräfte) entfalten.
Diese Gesetzmäßigkeit ist von enormer Bedeutung. Sie zeigt deutlich, dass erst unter Berücksichtigung der Polarität und der damit verbundenen Kriterien eine Gesamtschau bzw. eine ganzheitliche Betrachtung jedweder Methode überhaupt möglich ist. Man kann zwar chemische oder physikalische Wirkungskomponenten einsetzen, doch sind ihre Auswirkungen im physiologischen Bereich immer auch von der hierarchisch übergeordneten Ebene des Bewusstseins mit gesteuert, die inhärenter Teil jeder Behandlung und somit untrennbar mit ihr verbunden ist. Wir können also mit viel Materie und wenig Geist oder umgekehrt arbeiten, je nach Erfordernis und Bewusstseinsstand des Einzelnen.
Die Farbtherapie in der naturheilkundlichen Anwendung spielt sich im wesentlichen auf der Ebene des Bewusstseins ab. Die rein materiellen Kriterien, d. h. die äußeren, messbaren Komponenten (stofflichen Eigenschaften bzw. Intensität und Wellenlänge der Strahlung) treten dabei völlig in den Hintergrund. Sie werden deshalb auch nur am Rande und der Vollständigkeit halber nachfolgend erwähnt. Im phytotherapeutischen Bereich z. B. kennen wir aus Erfahrung die Eigenschaften von Rubia Tinctoria, wir wissen, dass dieser rote Pfanzenfarbstoff aus der Krappwurzel gewonnen wird, diuretische Eigenschaften besitzt und u. a. bei Leber-Galle-Leiden angewandt werden kann. Hier ist der Anwendungsbereich sogar historisch belegt, denn bereits in der islamischen Medizin, die im 10. Jahrhundert in voller Blüte stand, war dieses Mittel bekannt und die Verwendung pflanzlicher Farbstoffe, wie z. B. Alcanna, Gelbholz oder Indigo als Therapeutika stark verbreitet (Buch der pharmakologischen Grundsätze von Abu Mansur Muwaffak aus dem Jahre 975). Ähnliches gilt für die vielen anderen natürlichen Farbstoffe, die heute alle im Detail erforscht und zumindest im physikochemischen Sinn problemlos dargestellt werden können.
Die Unterschiede zwischen naturbelassenen und synthetisch hergestellten Mitteln treten bei pflanzlichen Farbstoffen besonders zu Tage. Sie sind auch hier wieder beispielhaft und geben uns interessante Hinweise auf die differenzierten Eigenschaften sowie auf die Beschaffenheit der jeweiligen Kategorie. Während die natürlichen Farbstoffe sich im färbetechnischen Sinne durch schlechtere Ausbeute und geringere Brillanz auszeichnen, bestechen die synthetischen durch ihre Leuchtkraft und Farbstärke (Beispiel: Krappwurzel / Alizarin). Die reine Substanz hat, wie auch in anderen Bereichen der Chemie, grundsätzlich den höheren Wirkungsgrad, und so war es nur eine Frage der Zeit, bis die synthetisch hergestellten Farbstoffe die natürlichen in fast allen Anwendungsbereichen verdrängten. Analog verhält sich auch für eine Vielzahl der heute im Gebrauch befindlichen pflanzlichen Naturheilmittel. Ihre direkte Wirkung kann sich, auf Grund der gebundenen Wirkungskomponenten, weniger gut als die der isolierten und höher konzentrierten Wirksubstanzen entfalten. Als Beispiel dafür sei die Weidenrinde (Salicis cortex) angeführt, die bei weitem nicht die Wirkung der synthetisch hergestellten Hauptwirkstoffe (Salicylsäureverbindungen) besitzt und natürlich auch nicht deren Nebenwirkungen.
In der physikalischen Medizin wird Licht u. a. für direkte Bestrahlungen der Haut verwendet, wobei die Wirkung von Wellenlänge, Intensität, und Applikationsdauer abhängt. Beispiel: Die Behandlung der neonatalen Hyperbilirubinämie mit dem Blaulichtspektrum, das sein Wirkungsmaximum bei 460nm (Nanometer) hat. Ebenso gebräuchlich sind Anwendungen mit dem Gesamtspektrum des Lichtes, dessen Bedeutung für Gesundheit und Wohlbefinden bereits von den Ärzten der Antike erkannt wurde, die Sonnenlicht als Heilmittel einsetzten. Die Wirkung der unterschiedlichen Lichtstrahlung auf den menschlichen Organismus ist heute wissenschaftlich gut erforscht und durch zahlreiche Studien belegt. Dies trifft sowohl für den sichtbaren als auch für den unsichtbaren Ultraviolett- und Infrarot-Bereich zu. Diese Art der Anwendung fällt unter den wissenschaftlichen Begriff der Phototherapie oder Therapie mit optischer Strahlung. Anfang des vergangenen Jahrhundert gab es für die Lichttherapie sogar einen Nobelpreis, den der dänische Mediziner Niels Ryberg Finsen (1860 - 1904) in Anerkennung seiner Verdienste zur Behandlung von Krankheiten mittels konzentrierter Lichtstrahlen erhielt (Biographie: http://www.nobel.se/medicine/laureates/1903/finsen-bio.html).
Völlig anders sieht es jedoch bei so genannten abstrakten Therapiekonzepten aus, bei denen Farbe oder Farblicht symbolisch, d. h. auf metaphysischer Ebene eingesetzt wird und damit nur mehr als Substrat einer geistigen Idee fungiert. In all diesen Fällen dient das Medium Farbe, in welcher Form auch immer, lediglich als äußerer Repräsentant für die jeweils im Bewusstsein des Anwenders verankerten Eigenschaften. Diese Verankerung bzw. Zuschreibung ist rein subjektiv und individuell verschieden. Sie steht in direktem Zusammenhang mit der angewandten Methode sowie der damit verbundenen Identifizierung seitens des Anwenders. Beispielhaft für diesen Bereich sind Verfahren wie Bioresonanz und Radionik, die sich durch breiten Einsatzbereich und hohe Erfogsquoten auszeichnen.Wie für alle qualitativen oder psychotropen Anwendungen gilt jedoch auch für diesen Bereich folgende Gesetzmäßigkeit:
Je klarer und deutlicher eine Methode im Bewusstsein des Anwenders verankert und je höher die Identität mit dem angewandten System desto erfolgversprechender der Ausgang der Behandlung!
Die Symbolkräfte, d. h. das innere Bild ist somit für den Anwender die einzig gültige Realität und der Auslöser psycho-physischer Interaktionen. Die Wirkung erfolgt damit gänzlich losgelöst von der materiellen Beschaffenheit der Farbe bzw. dem farbgenerierenden System an sich, seien es nun Geräte, Folien, Licht oder farbige Substanzen und Gegenstände jedweder Art. Sie steht hier in direktem Zusammenhang mit der Funktionsweise des menschlichen Organismus und vollzieht sich auf einer der Materie übergeordneten Ebene. Der Anwender selbst wird hier zur aktiven Komponente! Je nach Rapport (die Einstellung vom und zum Patienten zählt hier verstärkt) kann es während oder nach der Behandlung zu "psychophysischen Interaktionen" beim Patienten kommen, die so eine Änderung seines Zustandes in Richtung Heilung bewirken können. Die damit verbundenen Mechanismen sind zwar im Detail noch nicht erforscht, doch es gibt genügend Hinweise, dass sie in Zusammenhang mit den Psi-Fähigkeiten des menschlichen Bewusstseins stehen.
Diese Art der Farb-Therapie ist eindeutig "anwenderbedingt" und hängt, wie bereits dargelegt, in erster Linie vom Glauben des Therapeuten über die "vermeintliche Wirkung" der angewandten Methode sowie seiner eigenen Vorstellungskraft ab und keinesfalls mehr von dem Medium Farbe als solches. Die Farbe, aber auch ein entsprechendes Surrogat, dient hier lediglich der psychischen Verankerung, d. h. sie wird zum mentalen Bezugspunkt und erfüllt eine Art glaubensstärkende Funktion. Die Dauer der äußerlichen Behandlung spielt dabei eine untergeordnete Rolle, was zählt ist die Informations-übermittlung (Botschaft) auf geistiger Ebene. Auf dieser Ebene bieten sich deshalb auch enorme Möglichkeiten der Kreativität und Konstruktion neuer therapeutischer Ansätze. Gleiches gilt natürlich auch für den Einsatz von farbigen Medien im diagnostischen Bereich, wie z.B. in der Chakra-Diagnostik, oder in Farbtests nach Lüscher, Frieling etc., um nur einige wenige zu nennen.
Symbolische Verknüpfungen
Zur psychoenergetischen Verstärkung erfolgen Zuordnungen oft noch mit symbolischen Verknüpfungen wie Tönen und Klängen, Edelsteinen, Homöopathika etc., wobei der Phantasie auch hier keinerlei Grenzen gesetzt sind. Unabhängig von den farbigen Repräsentanten (in der Außenwelt) erschafft sich der Anwender selbst so seine eigene farbliche Gesetzmäßigkeit. Ebenso zahlreich sind Ansätze, Farbe mit fernöstlichen Methoden zu verbinden oder über Lichtstrahlung, speziell Laser, die Akupunkturnadel zu ersetzen. Diesbezügliche Therapie-Empfehlungen bzw. Anwendungshinweise sind qualitativer Natur und vom Bewusstseinsstand der jeweiligen Person abhängig. Hier befinden wir uns im Reich der geistigen Welten, wo jeder sein eigener Führer ist, oder wie Krishnamurti einst bemerkte: Die Wahrheit ist ein Land ohne Weg. Wer mit den geistigen Gesetzmäßigkeiten vertraut ist, weiß, dass auf metaphysischer Ebene Inhalt und Form austauschbar sind. So kann dieselbe Botschaft mit unterschiedlichen Formen, aber auch mit ein und derselben Form unterschiedliche Botschaften übermittelt werden. Nur unter diesen Gesichtspunkten sind überhaupt die oft widersprüchlichen Angaben in der Literatur über Zuordnungen bzw. Indikationen der Farb-Therapie zu erklären und auf einen Nenner zu bringen. Das gleiche gilt natürlich auch für die unterschiedlichsten Farb-Systeme, die entweder aus 6, 7, 8, 12 oder gar mehr Farben bestehen und mit oft völlig abweichenden Nuancen oder anderen symbolischen Verknüpfungen angewandt werden. Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle auch ein Abschnitt über Synästhesie eingefügt, ein Thema das von Anfang an mit der Farb-Therapie in Verbindung gebracht wurde. Unter Synästhesie wird das gleichzeitige Erleben von verschiedenen Sinneseindrücken bei Reizung von nur einem Sinnesorgan verstanden. Ton und Farbe stehen in einer gewissen Beziehung, wobei zwischen Farben hören (Phonismen = Tonempfindungen beim Sehen von Farben) und Töne sehen (Photismen = Farbempfindungen beim Hören von Tönen) unterschieden wird. Die individuellen Abweichungen bei Synästhetikern sind erheblich und objektive Zuordnungen so gut wie unmöglich. Bei der Synästhesie handelt es sich um authentische Phänomene, die vor allem bei Personen mit absolutem Gehör verstärkt auftreten. Geht man von der bereits in der Antike zu findenden Auffassung einer Verbindung der Sinne untereinander aus, so erscheinen Farb-Ton-Kombinationen zumindest naheliegender zu sein, als die vorher erwähnten symbolischen Verknüpfungen von Farbe mit Dingen jedweder Art.
Versuche, sog. farbharmonische Systeme zu erstellen, sind daher auch nicht neu und finden sich bei Leonardo da Vinci ebenso wie bei Newton und anderen. Vor allem seit es die technischen bzw. modernen elektronischen Möglichkeiten der Realisierung von Kombinations-Therapien (Farben, Töne etc.) gibt, hat dieses Gebiet eine Renaissance erlebt. Doch auch hier sei erneut darauf hingewiesen, dass es sich dabei um willkürliche Zuordnungen (künstliche Synästhesie) und keinesfalls um echte physikalische Gesetzmäßigkeiten handelt. So finden wir z. B. bei Newton bereits einen 7-teiligen Farbkreis mit korrespondierenden Tönen zu Farben. Bei ihm ist der Grundton "c" als "violaceus" dargestellt, während Maître Philippe, der große Thaumaturg aus Lyon, ihn als rot angibt. Der Musikwissenschaftler Wilfried Krüger bewertet das "c" aufgrund seiner Forschungsarbeiten ebenfalls als rot. Dagegen wird der gleiche Ton von dem Mathematiker Hans Cousto als grün angegeben. Bei dem französischen Arzt Tomatis wiederum sind nur die Oktaven in Farben eingeteilt und nicht die einzelnen Töne als solche. Auch Dinshah griff seinerzeit das Thema von Ton und Farbe auf. Allerdings war er der Meinung, dass Töne alleine nicht so wirkungsvoll seien und deshalb nur in Verbindung mit seinen Farbfiltern eingesetzt werden sollten. Maître Philippe de Lyon wiederum prägte den Ausspruch: Später wird man in der Lage sein, gewisse Krankheiten durch den Einsatz von entsprechenden Tönen zu heilen. Auch Alice A. Baily erwähnt in dem Band "Esoterisches Heilen" unter der Rubrik "Über Heilschulen der Zukunft" u. a. Heilung durch Farbe, Ton und Strahlung.
Moderne Farbtherapien
Die Farb-Therapie im heutigen Sinne ist eine universelle, im 20. Jahrhundert begründete Form einer "psychobiophysikalischen" Behandlungsmöglichkeit. Sie fußt, wie bereits dargelegt, einerseits auf den philosophischen Ansätzen des Ostens (Chakra-Lehre, Akupunktur etc.) und andererseits auf Erkenntnissen des Westens, das Medium Farbe in Verbindung mit technischen Konstruktionen alleine oder in Kombination mit anderen komplementären Methoden einzusetzen und als modernes, naturgemäßes Heil-Verfahren anzubieten. Eine neue Dimension erfuhr die Farbtherapie im Zeitalter des Computers. Welche weitreichenden Möglichkeiten sich durch die Errungenschaften der modernen Elektronik gerade für diesen Bereich bieten, zeigt das Beispiel des Color Tuning, das heute eine der elegantesten Methoden für bewusstseinsrelevantes Arbeiten darstellt. Bei diesem System werden sowohl Farben als auch Tonfrequenzen zur Balancierung (Tuning) eingesetzt. Seine formale Basis ist die Mathematik der Musik, die es erlaubt die auditiven Frequenzen zu ordnen und in eine harmonikale Struktur zu bringen. Hinzu kommen die Farben des chromatischen Farbkreises als visuelle Führungsgröße am Bildschirm. Doch dies sind nur einige äußere Aspekte. Insider wissen sehr wohl, dass erst durch die persönliche Identifikation und die Verinnerlichung des Systems die Vorteile jedweder Methode voll genutzt werden können.
Wer jedoch für derartige Konzepte wissenschaftliche Erklärungsmodelle sucht oder anführen möchte, sollte stets bedenken, dass es weder in den Gesetzen der Physik noch der Chemie oder der Biologie irgendeinen Hinweis auf Bewusstsein bzw. Geist gibt und dass der Glaube nur im religiösen Sinn als Tugend angesehen ist. Jeder Versuch einer wissenschaftlichen Erklärung der Wirkungsmechanismen derartiger Verfahren ist damit von vornherein zum Scheitern verurteilt. Er endet, wie die Praxis zeigt, meist in oft völlig abstrusen und unsinnigen Modellen, die wiederum genügend Angriffsfläche für die medizinische Wissenschaft bieten, um das Ganze in Bausch und Bogen abzulehnen. Dieses groteske Verhalten einiger Protagonisten der naturheilkundlichen Szene ist umso weniger verständlich, als ja gerade die bewusstseinsrelevanten Prozesse die stärkste Komponente der ganzheitlich orientierten Medizin und natürlich auch das schwächste Glied einer konventionell wissenschaftlichen Beweisführung sind. Warum ein auf der Ebene des Bewusstseins funktionierendes Verfahren unbedingt wissenschaftlich erklärbar oder gar beweisbar sein muss, ist völlig unlogisch. Im Gegenteil, eine geistige Grundlage entzieht sich jeder Kritikmöglichkeit seitens der Wissenschaft, denn ihre Kompetenz ist ja materieller Art und endet bekanntlich an der Grenze zum Reich in die geistigen Welten, für die sie weder Begriffssystem noch Sprache hat. Die Frage, ob die Schulmedizin diese Verfahren anerkennt oder nicht, ist demnach auch gar nicht relevant, sondern sie stellt sich in ganz anderer Weise, nämlich in welchen Fällen sie ihr ebenbürtig oder sogar überlegen sind und da sieht es bei näherem Betrachten ja recht vielversprechend aus. Doch wie bei allem muss auch im Reich der Farben jeder seine eigenen Erfahrungen machen und die wahren Zusammenhänge selbst entdecken. Kaum irgendwo hat Mephistos Ausspruch (Goethe, Faust I) mehr Gültigkeit als in diesem Bereich, denn:
Grau, teurer Freund, ist alle Theorie und grün des Lebens goldner Baum!
*Auszug aus: “Das Chakra Aura System” von Wiwi Raupach (www.shimoda-online.de).
Literatur:
- Babbitt, Edwin S., The Principles of Light and Color, New York, 1878 - Copen, Bruce, A Rainbow of Health, Academic Publications, Highfield, UK, 1974 - Denning, R. Murray, Meine Suche nach radionischen Wahrheiten, Radionik-Verlag, Nienburg, 2000 (www.radionikverlag.de). - Dinshah, Darius, Let there be light, Malaga, NJ,1985 (www.dinshahhealth.org) - Duplessis, Yvonne, La vision parapsychologique des Couleurs, Paris, 1974 - Duplessis, Yvonne, Les couleurs visibles et non visibles, Monaco 1984 - Graham, Helen, Discover Color Therapie, Berkeley,CA, 1998 - Grösser, Hermann “Im Spiegel der Zeit: Therapien mit Licht und Farbe”, CO‘MED 12/03 (www.comedverlag.de) - Krüger, Wilfried, Das Nadelöhr der Farben und Töne, Atom-Harmonik-Verlag, Trier, 2000. - Pancoast, Seth, Blue and Red Light, Philadelphia, 1877
Wissenschaftliche Kommentare über die Spectro Chrome Methode: - AMA Bureau of Investigation (http://www.mtn.org/quack/amquacks/ghadiali.htm), - Quackwächter (http://www.mtn.org/quack/amquacks/ghadiali.htm).
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