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Hermann Grösser
Elektronische Homöopathie - potenzierter Unsinn?
Wer sich an eine falsche Vorstellung gewöhnt,
dem wird jeder Irrtum willkommen sein.
Dieses von Goethe geprägte Zitat (zum Irrtum in der Farbenlehre) hat, wie wir im Folgenden feststellen
können, auch in anderen Bereichen seine Gültigkeit. Unter dem Titel „Biochemische Wirkung von
homöopathischer und elektronischer D8 von Kalium cyanatum
“ erschien im vergangenen Jahr in der
Fachzeitschrift Forschende Komplementärmedizin (1999, 6: 15-18) ein Bericht über eine Studie, die vom
Institut für Physiologische Chemie, Tierärztliche Hochschule Hannover, durchgeführt wurde.
Zielsetzung der Untersuchung war festzustellen, welche Wirkung eine elektronische D8 und eine
homöopathische D8 von Kalium cyanatum auf die katalytische Aktivität der Uricase ausüben. Für den mit
der Materie wenig vertrauten Leser der Studie scheint die Schlußfolgerung, daß zwischen Placebo und
elektronisch hergestellter D8 kein Unterschied besteht, dagegen die homöopathisch hergestellte D8 von
Kalium cyanatum eine signifikante Wirkung zeigt, durchaus einleuchtend. Kein Wunder, wenn nun ein
Hersteller homöopathischer Mittel in seinen Anzeigen in diversen Fachzeitschriften neben der Werbung
für die eigenen Produkte geschickt auf diese Studie hinweist und gleich die Anschrift aufführt, wo sie
bezogen werden kann und zwar bei: Institut für physiologische Chemie der Universität Hannover,
Postfach 711180 in 30545 Hannover.
Ob dies wirklich eine effiziente Werbestrategie für den Verkauf der eigenen Mittel darstellt, soll hier nicht
erörtert werden. Tatsache ist, daß sich diese Firma nicht nur zu früh gefreut, sondern auch die Sache
nicht bis ins Letzte durchdacht hat. Sie nimmt nämlich diese Studie auch zum Anlaß für Ihre original
Testsätze zu werben und betont, dass der Kunde bei ihr die Sicherheit hat, keine „Radionics“ geliefert zu
bekommen. Die Studie als solche liefert jedoch keinen Beweis über den Unterschied beim Testen, der
sich eventuell zwischen original und radionisch hergestellten oder gar digital aufgezeichneten Präparaten
ergeben könnte. Bekanntlich dienen Testsätze dazu, die Brauchbarkeit einer Arznei vom Therapeuten
mittels einer geeigneten Vorrichtung wie z. B. der Elektroakupunktur am Patienten direkt zu prüfen. Doch
dies ist nur ein Aspekt, denn wer sich die Mühe macht, nicht nur die Studie anzufordern, sondern sie
auch eingehend zu lesen, wird, falls er Kenner der Thematik ist, noch andere Überraschungen erleben.
So z. B. dass die Autoren der Studie weder das Prinzip der Radionik noch die Funktionen eines
Bioresonanzgerätes geschweige denn die hinter der sogenannten „elektronischen Homöopathie“
liegenden Gesetzmäßigkeiten verstanden haben. Hinzu kommt, dass die diesbezüglichen
Literaturangaben überhaupt nicht relevant für das der Studie zu Grunde liegende Gerät sind. Eine
schriftliche Anfrage des Autors an das Institut mit der Bitte um Stellungnahme zu den Ungereimtheiten in
der Studie wurde bisher nicht beantwortet.
Doch bevor wir uns zu voreiligen Schlüssen hinreisen lassen, nachfolgend einige Erklärungen und
Kommentare dazu, damit sich der Leser am Schluß selbst ein Urteil bilden kann. Daß Kalium cyanatum
zu den weniger gebräuchlichen Homöopatika gehört, dürfte bekannt sein, zumindest ist es nicht bei Mc.
Allen „Leitsymtome wichtiger Arzneimittel der Homöopathie“ aufgeführt. Bei dieser Studie scheint es sich
offenbar um eine Kampagne (von wem auch immer initiiert) gegen Mittel zu handeln, die mit Hilfe der
Bioresonanz oder der Radionik hergestellt werden. Vermutlich wollte man bei der Studie auf Nummer
sicher gehen und wählte dafür eine Substanz, deren materielle Anteile auch bei D8 noch genügend
Wirkung zeigen. Das Risiko, in einem anderen Kontext und eventuell mit einem anderen Homöopathikum
keine signifikanten Unterschiede zu konstatieren, wurde damit von vornherein ausgeschaltet.
Allerdings ist den Herren Gelehrten, es waren ihrer gleich drei (J. Dittmann, H. Kanapin, G. Harisch), ein
entscheidenter Fehler unterlaufen. Für den Versuch, die angeblich „elektromagnetischen Schwingungen“
eines Mittels elektronisch auf einen neutralen Träger zu übertragen wurde ein Bioresonanzgerät (BICOM)
eingesetzt und irrtümlicherweise dabei die falsche Geräteeinstellung benützt. Bekanntlich wird in der
klassischen Bioresonanz eine derartige Übertragung oder Überschwingung der Information ohne
elektronische Filter durchgeführt. Für den Versuch wurde jedoch eine Einstellung gewählt, die die
harmonischen von den disharmonischen Schwingungen trennt (zumindest steht es so in der besagten
Studie). Mit anderen Worten, das Ergebnis entspricht genau der Geräteeinstellung und nichts anderem.
Was könnte also einer Firma besseres passieren als eine universitäre Studie mit der
Funktionsbestätigung ihrer Geräte zu erhalten und dies noch gratis obendrein. Ob jedoch ein anderer
Übertragungsmodus mit dem Bicomgerät ein anderes Ergebnis gebracht hätte, müßte erst noch
festgestellt werden. Vielleicht wird der Versuch wiederholt, diesmal lege artis. Wesentlich
aufschlußreicher wäre es allerdings gewesen, sich für diesen Versuch eines Moragerätes zu bedienen,
zumal damit eine D8 exakt hergestellt werden kann (zumindest gemäß Herstellerangaben) und der
Literaturhinweis in der Studie sich auch auf dieses Gerät bezieht. Was immer auch die Gründe für diese
unglückselige Studie waren, das Sprichwort „Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein“ trifft hier in
ganz besonderem Maße zu.
Man könnte die Angelegenheit damit auf sich beruhen lassen und wieder zur Tagesordnung übergehen,
wäre dies nicht eine ideale Gelegenheit sich einmal von Grund auf mit dieser Thematik zu befassen. Wie
konnte es überhaupt zu einer derartigen Studie kommen, und vor allem, was soll da wem bewiesen
werden?
Nun, ein Therapeut, der mit Radionik arbeitet, weiß von Anfang an (die Bioresonanz-Therapeuten
meistens erst etwas später), dass es sich bei diesen elektronischen Einrichtungen nur um eine
Hilfsvorrichtung zur Konzentration und Ausrichtung des Bewußtseins handelt, die selbst jedoch keinen
relevanten Wirkanteil mit einbringt. Demnach ist eine elektronische, aber auch jede andere Vorrichtung
für diesen Zweck nichts anderes, als ein materieller Repräsentant für ein geistiges Prinzip. Auch wenn die
äußere Form und Funktion dem neuesten Stand der Technik entspricht, oder sogar an der Spitze des
Fortschritts steht, wie dies ein Hersteller in seinen Prospekten bemerkt, so handelt es sich dabei trotzdem
nur um symbolische Physik. Es ist der Geist des Bedieners, der über das Gerät oder einen anderen
materiellen Repräsentanten die Prägung vollzieht bzw. die psychophysischen Wechselwirkungen bei der
Behandlung auslöst.
Für Schulmediziner und Apotheker, deren Weltbild auf Grund der von der Wissenschaft vollzogenen
Trennung von Geist und Materie keine ganzheitliche Betrachtungsweise zuläßt, kann eine elektronische
Übertragung von Arzneimittelschwingungen nicht funktionieren. Denn um etwas elektronisch verarbeiten
oder testen zu können, müßte es zumindest auch meßtechnisch erfaßbar sein. Auf welche physikalische
Größe sonst wollte man sich denn bei einer technische Konstruktion basieren? Da aber auf nichts
dergleichen zurückgegriffen werden kann, ist für sie das ganze ein Schwindel und eine Irreführung der
Therapeuten. Und sie haben von ihrem Standpunkt aus sogar recht, denn eine pharmakologische
Wirksubstanz läßt sich elektronisch tatsächlich nicht übertragen und sendet auch keine
„elektromagnetischen“ Schwingungen aus. Aus rein physikalischer Sicht macht dies absolut keinen Sinn.
Es sei dahingestellt, warum so etwas behauptet und in naiver Physikgläubigkeit selbst von manchem
Hochschulabsolventen akzeptiert wird.
Trotzdem funktioniert aber die praktische Anwendung der Methode und zwar schon rein deshalb, weil der
Anwender selbst Teil des Funktionsprinzips ist. Eine derartige Konstruktion hat damit ihre absolute
Berechtigung. Was nämlich möglich ist (neben der allgemein üblichen Behandlung mit diesen Geräten),
ist die Herstellung einer bewußtseinsgeprägten Struktur, d. h. die geistige Prägung eines Mittels, um eine
immaterielle Botschaft damit zu verbinden. Dass eine derartige Vorgehensweise zu oft erstaunlichen
Heilerfolgen führt, beweist nicht nur die tägliche Praxis bei uns sondern auch die seit Jahrhunderten
gebräuchliche nahezu identische Vorgehensweise in anderen Kulturkreisen (siehe dazu auch:
„Bewußtseinsgeprägte Arzneien im Wandel der Zeit“, CO‘MED 12/99). Wären nämlich die Therapeuten
damit nicht so erfolgreich, würde sich doch kein Schulmediziner darum kümmern, geschweige denn an
die Durchführung einer derartigen Studie überhaupt denken.
Jede Ebene hat ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten und so gilt in Zusammenhang mit der therapeutischen
Anwendung bewußtseinsgeprägter Arzneien folgendes zu beachten:
Dort wo Materie, also echte pharmakologische Wirksubstanz zur Heilung benötigt wird, kann kein
symbolischer Ersatz in gleichem Maße wirksam sein. Umgekehrt heißt dies jedoch, dass in all den
Fällen, wo keine Materie zur Heilung benötigt wird, die bewußtseinsgeprägte Struktur das Mittel
der Wahl ist.
Die Mißverständnisse und Kontroversen die zwischen Schulmedizin und Naturheilkunde immer wieder
auftreten sind im wesentlichen auf zwei fundamentale Gründe zurückzuführen. Zum einen auf die von der
Wissenschaft durchgeführte Trennung von Geist und Materie und zum anderen auf den in der
psychobiophysikalischen Medizin üblichen Unfug, für geistige Prozesse ein materielles Vokabular zu
benützen und damit klar definierte Termini der Physik zu missbrauchen. Die Lösung des Problems wäre
also denkbar einfach, man müßte nur bereit sein, ein für beide Teile akzeptables Modell zu postulieren.
Doch bis dieser Tag naht, sei zumindest Herstellern von psychobiophysikalische Geräten empfohlen,
doch schon mal bei sich selbst zu beginnen und endlich ihre Erklärungsmodelle auf eine realitätsnahe
Grundlage zu stellen. Es gibt keinen Grund wissenschaftliche Termini zweckentfremdet zu verwenden
oder einem mit dieser Thematik weniger vertrautem Kreis, Physik dort vorzutäuschen, wo es sich um
geistige Prozesse handelt. Dies schadet der gesamten naturheilkundlichen Branche und läßt sich auch
nicht unbedingt mit den ethischen Grundsätzen des Heilberufes vereinbaren.
Es sind also nicht nur die Schulmediziner, sondern vor allem die Exponenten und Hersteller selbst
(ausgenommen Radioniker), die mit ihren abstrusen und pseudophysikalischen Erklärungsmodellen jede
Anerkennung ihrer Verfahren schon im Vorfeld verhindern. Dieses groteske Verhalten ist umso weniger
verständlich, als ja gerade die bewußtseinsrelevanten Prozesse die stärkste Waffe der ganzheitlich
orientierten Medizin und natürlich auch das schwächste Glied einer konventionell wissenschaftlichen
Beweisführung sind. Warum geistig funktionierende Verfahren unbedingt mit materieller Terminologie
erklärbar oder gar wissenschaftlich beweisbar sein müssen, ist völlig unlogisch. Im Gegenteil, eine
geistige Grundlage entzieht sich jeder Kritikmöglichkeit seitens der Wissenschaft, denn ihre selbst
proklamierte Kompetenz ist materieller Art und endet bekanntlich an der Grenze zum Reich in die
geistigen Welten.
Hinzu kommt, daß die Schulmedizin weder etwas Vergleichbares anzubieten hat noch die
bewußtseinsrelevanten Prozesse ersetzen oder gar ausklammern kann, zumal sie unumstößlicher Teil
der menschlichen Wirklichkeit sind. Die Frage, ob die Schulmedizin sie anerkennt oder nicht, ist demnach
auch gar nicht relevant, sondern sie stellt sich in ganz anderer Weise, nämlich in welchen Fällen diese
Methoden ihr ebenbürtig oder sogar überlegen sind. Nebenbei bemerkt, selbst René Descartes (1596-
1650), der als Begründer des modernen Rationalismus gilt, fragte sich damals schon in einer seiner
Meditationen, ob die äußere Welt, einschließlich seines eigenen Körpers, nicht eine Illusion sei,
geschaffen von einem bösartigen Genie, das entschlossen war, ihn zu täuschen.
Zum Glück macht sich zumindest in einem bestimmten Bereich der Wissenschaft ein Richtungswechsel
bemerkbar. So gilt für Quantenphysiker und nonkonformistische Professoren das rein materielle Weltbild
nicht mehr. Allerdings scheinen sich einige von ihnen erst nach ihrer Emeritierung für ein ganzheitliches
Weltbild zu entscheiden bzw. sich persönlich auch dafür in entsprechenden Publikationen einzusetzen.
Trotzdem sollten sich Gerätehersteller und Exponenten eines elektronischen Schamanismus, die immer
noch der Meinung sind, für geistige Prozesse pseudophysikalische Modelle anführen zu müssen,
vorsehen, denn sie riskieren je länger desto mehr, den Anschluss endgültig zu verpassen. Wer nämlich
einen Paradigmenwechsel wünscht, muß ihn erst einmal in seinem Inneren selbst vollziehen, erst dann
kann im Außen etwas geschehen.

Hermann Grösser