aus: „Wasserstoff ist die Basis aller Dinge. Wasserstoff macht neunzig Prozent der Masse des gesamten Universums aus, neun Prozent der Masse des Universums ist Helium und das ist, was Wasserstoff in seiner nächsten Inkarnation wird – Helium. Und ein Prozent des Universums besteht aus allem anderen, Gold und Silber und Kohlenstoff und Sauerstoff und alle anderen Elemente, die das Universum ausmachen. Weniger als ein Prozent der Masse des Universums sind diese anderen Elemente, 90 Prozent ist Wasserstoff.“2 Und auch wir bestehen ganz konkret zu einem großen Teil daraus; Bill Bryson nennt genaue Zahlen: „Von jeweils 200 Atomen in unserem Körper sind 120 Wasserstoff, 51 Sauerstoff und nur 19 Kohlenstoff.“3 Warum ist Wasserstoff buchstäblich die Basis aller Dinge? Wir wissen, dass ein Atom der kleinste (chemisch) nicht mehr teilbare Bestandteil von Materie ist. Jedes Atom ist jedoch aus sogenannten Elementarteilchen zusammengesetzt: positiv geladenen Protonen, negativ geladenen Elektronen und ladungsneutralen Neutronen. Diese sind auf subatomarer Ebene die Bausteine des gesamten materiellen Universums, und das Wasserstoffatom ist sozusagen der Prototyp, alle anderen Atome sind Variationen dieses Wasseratoffatoms. Das ist einfach nachzuvollziehen, wenn man den Aufbau der Atome betrachtet. Protonen und Neutronen bilden den Atomkern, während die Elektronen in großer Entfernung (aus subatomarer Perspektive betrachtet) um diesen Kern herum kreisen. Die Zahl der Protonen im Zellkern legt sozusagen die „Identität“ des Atoms fest: Ein Atom mit einem Proton ist ein Wasserstoffatom, mit zwei Protonen ist es ein Heliumatom (deshalb bezeichnet Patrick Flanagan Helium als „nächste Inkarnation“ des Wasserstoffs). Kommt ein weiteres Proton dazu, haben wir Lithium, und so entsteht jedes weitere Atom durch ‚Hinzufügen’ eines weiteren Protons. Entwicklungsgeschichtlich ist also das Wasserstoffatom dasjenige, aus dem sich alle anderen Atome entwickelt haben oder, anders ausgedrückt, die Mutter aller Dinge. Jedes Atom enthält allerdings ebensoviele Elektronen wie Protonen. D. h., für jedes Proton, das dazukommt, kommt auch ein Elektron dazu. Insofern könnte man genauso sagen: Die Anzahl der Elektronen bestimmt die Identität des Atoms: Kommt ein weiteres Elektron dazu, erhalten wir dann ein neues Atom mit einem zusätzlichen Proton, das Ganze ist sozusagen Ansichtssache. Mit einer kleinen Variante, die Bill Bryson wunderbar ausgedrückt hat: „Mir hat man es so erklärt, dass die Protonen einem Atom seine Identität verleihen und die Elektronen für seine Persönlichkeit verantwortlich sind.“4 A propos Persönlichkeit: Wenn wir sterben, kehren unsere Atome wieder in den großen Kreislauf zurück und bilden neue Dinge. Bill Bryson schreibt: „Jedes Atom in einem Menschen hat wahrscheinlich schon Aufenthalte in mehreren Sternen hinter sich und war auf dem Weg zu seiner jetzigen Position schon Bestandteil von Millionen Lebewesen. Jeder von uns besteht bei seinem Tod aus so vielen ständig wiederverwerteten Atomen, dass eine beträchtliche Anzahl davon – nach manchen Schätzungen bis zu einer Milliarde in jedem Menschen – vermutlich einst zu Shakespeare gehörte. Jeweils eine weitere Milliarde stammt vom Buddha, Dschingis Khan und Beethoven oder jeder anderen historischen Gestalt, die uns einfällt.“ So betrachtet, könnte man sagen, Wasserstoff und Elektronen sind das, was uns untereinander und mit dem gesamten Universum verbindet, jedem Stern, aber auch jedem Blatt, jedem Stein und jedem Menschen auf dieser Welt. Und, in einem etwas größeren Zeitrahmen als dem eines Menschenlebens betrachtet, könnte man tatsächlich hinzufügen: Alles ist eins. Aus der Perspektive der Wasserstoffatome, die sich vor etwa 13 Milliarden Jahren kurz nach dem Urknall, also zu Beginn jeglicher materiellen Existenz, zu bilden begonnen haben, findet letztlich nur eine gelegentliche Umverteilung und Umstrukturierung statt, eine Art kosmischer Tanz, von dem wir für kurze Zeit ein kleiner Bestandteil sein dürfen. Wasserstoff ist damit in gewisser Weise auch Träger aller Erinnerungen an alles, was gewesen ist, denn er war von Anfang an dabei. Und er ist immer noch das, was uns heute Leben schenkt, denn ohne Wasserstoff wäre unsere Existenz nicht möglich. Nicht nur, dass er das ist, wo wir ursprünglich herkommen: Wasserstoff ist das, was in Form von Sonnenlicht alles Leben auf der Erde erst ermöglicht, er ist auch das, was in jeder unserer Zellen jeden Tag die Energie liefert, ohne die wir nicht leben könnten. Die Frequenz der Liebe, Loveforce, die Liebeskraft.“ 2 Aus dem Vortrag ‚Love-Force’, Kopenhagen, Mai 2003 3 Bill Bryson: Eine kurze Geschichte von fast allem, Goldmann Verlag, 2003 © Katrin Klink, 2008.
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